time after time (cyndi lauper) | februar & märz 2026 |

Februar und März gehören in meinem Kopf irgendwie zusammen. Doch sie hätten nicht unterschiedlicher sein können. Im Februar war der Winter noch omnipräsent, und auch im März war er definitiv noch nicht verschwunden – dennoch kehrte im März auf eine gewisse Weise Farbe in mein Leben zurück. Und damit möchte ich nicht sagen, dass ich die vorherigen Monate negativ empfunden hätte – im Gegenteil, sie hatten nur eine andere Art, schön zu sein: eine elegante, schwarz-weisse Art, schön zu sein.
Der Februar hatte den Charakter eines französischen Schwarz-Weiss-Films; er erinnerte mich an eine Schneekugel mit einer Ballerina, um die ein Strudel glitzernder Schneeflocken wirbelt. Im Februar wurde die heisse Schokolade durch Chai Lattés ersetzt, und der kanadische Schnee noch einmal voll ausgenutzt: Skitage mit langer Hin- und Rückreise, Timbits und Gesellschaftsspiele im Skibus, Schlitteln in Gummireifen, ein Besuch in einer „Cabane à sucre“, Beavertails und natürlich viel Eislaufen.

Der wohl tollste Skiausflug führte uns zum Mont Tremblant in Québec, wo nicht nur die Pisten, sondern auch die Architektur etwas europäischer war – man fühlte sich beinahe geografisch versetzt, auch wenn nichts den Schweizer Alpen das Wasser reichen kann. Und das Snowboarden brachte mir nicht nur müde Beine und rote Wangen, sondern auch Euphorie-Schübe aus den verschiedensten Gründen: Die Kombination aus neu kennengelernten Menschen, etwas zu schnellen Talabfahrten, während es dunkel wird, und Zartmann-Liedern, die aus den Kabelkopfhörern schallen, ist meiner Meinung nach einfach ein Mix, der nur glücklich machen kann. Februar zeigte mir, dass sich auch eine kalte und schwarz-weisse Welt nach Abenteuer und Glückseligkeit anfühlen kann.
Der März machte mich wiederum auf eine ganz andere Weise glücklich. Offensichtlich war der Winter noch nicht aus dem Land gezogen: Der Schnee hörte nicht auf zu fallen, und auf dem Fluss schwammen Eisschollen, sodass man Kanada mit der Antarktis hätte verwechseln können. Dennoch brachte dieser erste Frühlingsmonat Farbe in mein Leben. Im Nachhinein verstehe ich auch, dass diese Farbe vermutlich bis zu einem gewissen Grad aus Europa mitgebracht worden war.
Mitte März machte ich mich während unserer Spring Break nämlich auf nach Montréal, wo am Bahnhof bereits meine Mutter auf mich wartete, die einen Tag zuvor aus der Schweiz eingeflogen war, wo es schon beträchtlich mehr nach Frühling aussah als hier. Wir verbrachten eine wundervolle Woche – pendelnd zwischen Québec City, Montréal und Ottawa. Natürlich war da immer noch die Kälte (teilweise beinahe unerträglich), der Schnee und teilweise sogar Regen, doch auch die grausten Tage wurden durch meine Mama aufgehellt.

Auch wenn sie in den letzten Monaten nicht physisch präsent war, schaffte sie es immer, ein Licht nach Kanada herüberzuschicken, wenn es in meiner Welt etwas dunkel wurde. Doch nun, als sie jeden Morgen nur wenige Meter von mir entfernt aufwachte, war dieses Licht um ein Vielfaches stärker – es war beinahe ein Scheinwerfer, der neue Faszination und beinahe kindhaftes Wunder für dieses Land, in dem ich nun schon mehr als ein halbes Jahr lebe, mit sich brachte.

In dieser Woche schaffte ich es teilweise, meine rasenden Gedanken einfach treiben zu lassen und etwas weniger kontrolliert zu leben. Ich genoss jede Sekunde, tagträumte, während wir stundenlang spazierten, redete mir den Mund fusselig und lachte, bis ich Muskelkater davon hatte. Wir machten es uns zur Aufgabe, so viele Cafés wie möglich zu besuchen, assen gut, erkundeten jeden Winkel von Québec City und schlossen die meisten Abende mit einem Film ab. Der Chai Latte wurde durch Matcha ersetzt, ich lackierte meine Nägel bunt und kaufte ein leuchtend blaues Oberteil.
Im Gegensatz zum französischen Schwarz-Weiss-Film, der für mich den Februar verkörperte, war der März vielmehr wie der Film 10 Things I Hate About You; voller lauter Emotionen. Und auch nachdem der Flug meiner Mama nach Hause abgehoben hatte, konnte ich weiterhin den Zauber spüren, den sie nach Kanada mitgebracht hatte – den Zauber, der meiner Meinung nach dafür verantwortlich war, dass schon bald die Temperaturen etwas steigen sollten.
Die Metamorphose zum Frühling hatte für mich offiziell begonnen.
