merry christmas, please don’t call (the bleachers) | dezember 2025 & januar 2026 |

Schon fast drei Monate sind nun seit meinem Geburtstag vergangen. Drei Monate, gefüllt mit viel Schnee, heisser Schokolade und Eislaufen. Schon Ende November legte sich die erste Schneeschicht über Ottawa, und ab da verschwand die weisse Decke auch nicht mehr. Das anfänglich sanfte Leinentuch wurde sehr schnell zur dicken Daunendecke.
Zu Beginn waren das scheinbar nie endende Schneegestöber und die kühleren Temperaturen aufregend, Weihnachtsstimmung kam auf, «Last Christmas» hatte sich für den Monat mietelos in meinem Kopf einquartiert, und die Hälfte meiner Ausgaben war wohl den vielen Ständen zu verdanken, die heisse Schokolade und Orangenpunsch anboten. Doch als ich zum ersten Mal bei minus 20 Grad, mit Windchill-Faktor beinahe minus dreissig Grad, an meiner Bushaltestelle warten musste, überdachte ich meine Meinung zum kanadischen Winter noch einmal.

Doch egal, wie kalt es war und wie viel Schnee fiel – immer wieder kam ich zur Überzeugung zurück, genau am richtigen Ort gelandet zu sein.
Weihnachtsstimmung kam hier schon sehr früh auf: Ab November konnte der grosse Weihnachtsmarkt bei Lansdowne besucht werden, wo man neben Ständen mit Lebkuchen, warmem Essen und Weihnachtskeksen auch Livemusik sowie wunderschöne Lichter und Dekorationen finden konnte. Nach mehreren Besuchen waren sowohl die verschiedenen Stände mit heisser Schokolade bewertet als auch die verschiedensten kanadischen Spezialitäten wie «Taffy on Snow» ausprobiert worden.

Aber auch meine Gastfamilie sorgte dafür, dass zu Hause Weihnachtsstimmung aufkam. Ein gemeinsamer Besuch im National Arts Centre, wo «Der Nussknacker» aufgeführt wurde, sowie ein prächtiger Christbaum waren zwei Highlights in dieser so dunklen Jahreszeit. Weihnachten durfte ich mit den verschiedensten Teilen meiner Gastfamilie verbringen und genoss jede Sekunde davon, auch wenn mir dabei erst bewusst wurde, wie sehr ich meine eigene Familie zu Hause vermisste.
Doch nach Weihnachten verschwand der Winterzauber nicht. Eislaufen auf dem Rideau Canal, Schneeschuhlaufen und das Winterlude-Festival in der Stadt machten auch die darauf folgenden Wochen zu einem funkelnden Wintermärchen. Die Beleuchtung beim abendlichen Eislaufen auf dem fast neun Kilometer langen Kanal, die im Licht glitzernden Eisskulpturen in Downtown Ottawa und die unzähligen Eichhörnchen, die über den Schneeschuhwanderweg sprangen, machten aus dieser dunklen Jahreszeit mit all ihren kalten Winden und Schneestürmen einen wahren Tanz in den Schneeflocken.

Kanada hat mich gelehrt, dass auch die kältesten Zeiten wunderschön sein können, solange man die Kälte nicht die Oberhand gewinnen lässt und von der Wärme der Menschen umgeben ist, die einem wichtig sind. Aber auch ein guter Wintermantel schadet sicher nicht …
Und so habe ich immer besser gelernt, mit der kanadischen Kälte umzugehen. Doch auch wenn ich hier vieles selbst herausfinden und ausprobieren muss – oder vielleicht gerade deswegen – realisiere ich immer mehr, wie wichtig meine Freunde und meine Familie zu Hause für mich sind, die mich in allem, was ich tue, voll und ganz unterstützen.
Ich vermisse Euch alle! Und deshalb: Auch wenn das Lied eines meiner absoluten Lieblingslieder ist, hört nicht darauf – Merry Christmas (etwas verspätet), PLEASE CALL!
