Octoberfest 2025

vodka cranberry (conan gray) | 16. & 17. oktober 2025 |

Tatsächlich gibt es auch hier in Kanada ein Oktoberfest, allerdings hat dieses hier weniger mit Dirndeln, sondern vielmehr mit funkelnden Kürkleidern zu tun. Statt Krügen voller Bier findet man am kanadischen «Octoberfest» nur Wasser, teilweise angerührt mit Elektrolytpulvern oder einem Magnesium-Supplement, oder dem bei Sportlern hier sehr beliebten Gatorade. Das jährliche Octoberfest findet auch nicht in einem Festzelt in München, sondern in einer Eishalle in Barrie statt und ist ein Wettkampf der Sectional Series der Eislaufsaison hier in Ontario.

Letzten Mittwoch haben wir uns von der Eishalle aus auf den Weg nach Barrie gemacht – ein fünfstündiger Roadtrip, den wir nur mithilfe unserer Carrot Sticks mit Hummus und schliesslich einem Brown Sugar Iced Latte beim obligatorischen Stop bei Tim Hortons überlebten. Ich reiste dabei mit zwei anderen Eisläufern, die teilnehmen würden, und deren Mutter sowie einer Eisläuferin aus den USA, die einen Monat hier trainiert.

Wir kamen eher spät im Hotel an, wo wir nicht mehr viel taten, ausser uns im Zimmer einzurichten und schliesslich auf dem Fernseher im Zimmer Gilmore Girls zu schauen. Ohne, dass der Wettkampf überhaupt angefangen hat, hatte ich nur schon an diesem Tag so viel erlebt, um am Abend müde in mein Bett zu fallen, ein wenig nervös, aber vor allem positiv aufgeregt.

Am Donnerstag stand dann zuerst eine Official Practice Session an, während welcher ich von meinen beiden Coaches unterstützt wurde. Schon beim Training begann man zu bemerken, wie grosse Figuren die zwei hier sind – immer wieder wurden mir Trainer, Eisläufer und Judges vorgestellt. Nach der Trainingssession fuhren wir zu einem Restaurant, um zu Mittag zu essen. Falls irgendjemand von Euch einmal bei Panera Bread isst: Die Black-Bean-Suppe ist sehr empfehlenswert … Nach dem Mittagessen ging es weiter zur Wettkampf-Eishalle, welche tatsächlich eine andere ist als diejenige, in welcher ich meine Trainingssession absolvierte. Angekommen, erhielt ich als Erstes meinen Athleten-Badge, mit welchem man sich gleich dreimal professioneller fühlt. Nach einem Rundgang durch die riesige Arena landeten wir schliesslich im nur Sportlern zugänglichen Bereich, wo ich mich schon bald aufzuwärmen begann. Mit der Zeit wurde auch meine Nervosität grösser, doch sobald ich das Eis betrat, waren die meisten Zweifel vergessen – verdrängt von der Euphorie, die sich in mir ausbreitete, sobald ich darüber nachzudenken begann, dass ich gerade wirklich meinen kanadischen Eislaufverein repräsentieren darf. Ich fühlte mich wie ein Teil des Landes. Ich fühle mich zwar schon lange sehr wohl hier, doch als ich mit den anderen Eisläuferinnen das Eis betrat und die Speakerin meinen Namen ausrief, hatte ich das Gefühl, irgendwo dazuzugehören.

Mit meinem Kurzprogramm konnte ich sogar eine neue persönliche Bestleistung erzielen! Somit hatten meine Coaches und ich uns unser Abendessen in einem italienischen Restaurant verdient, in welchem wir allerdings nicht viel Zeit verbrachten, da wir rechtzeitig für das Kurzprogramm eines Teamkollegen bei der Eishalle zurück sein wollten.

Zurück im Hotel wurde der Recovery-Modus aktiviert. Die letzten paar Stunden, bevor ich schliesslich einschlief, waren mit Stretching, genügend Flüssigkeit und Magnesium-Pulver gefüllt.

Der nächste Tag verlief sehr ähnlich. Heute war ich beinahe noch nervöser als gestern, da ich mit der guten Grundlage von gestern auch den heutigen Lauf auf diesem Niveau behalten wollte – was mir schliesslich auch gelang. Auch in der Kür konnte ich meine persönliche Bestleistung verbessern, was den ganzen, ohnehin schon unglaublich erlebnisreichen Trip noch etwas mehr verschönerte. Die Erfahrung, in Kanada an einem Wettkampf teilnehmen zu können, war wunderschön – zum einen ist alles sehr ähnlich wie in der Schweiz, zum anderen fühlt es sich aber auch wie etwas völlig Fremdes an. So viele Details sind anders als in der Schweiz, aufregend und neu.

Natürlich ist auch das Eisfeld hier nur ein Eisfeld und der Wettkampf nur ein Wettkampf, aber für mich war die Chance, hier in Kanada an einem Wettkampf teilzunehmen, ein grosser Traum. Ich konnte meine Leidenschaft nach Kanada mitbringen, was mir unglaublich viel bedeutet und worauf ich auch sehr stolz bin. Doch all dies hätte ich auch nie ohne meine Coaches Pete und Violetta geschafft, die mich während des ganzen Trips begleitet haben (ausser wenn sie gerade mit Brian Orser oder einer anderen Eislauflegende plaudern mussten). Die Nervosität und Aufregung ist es schon normalerweise an einem Wettkampf wert – sobald man während seines Programms seinen Rhythmus gefunden hat. Sobald man das tut, ist Eislaufen wie fliegen; um zu denken ist der Adrenalinspiegel zu hoch, und so schwebt man nur noch über das Eis und vergisst für einen Moment alle Sorgen. Und zu alledem, zusätzlich zu diesem wunderschönen Gefühl, kommt: Ich kann all dies in Kanada machen, auf der anderen Seite der Welt – und das ist ein wirklich unbeschreibliches Gefühl.

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